Sozusagen grundlos vergnügt

Sozusagen grundlos vergnügt

Ich freu mich, daß am Himmel Wolken ziehn. Und daß es regnet, hagelt, friert und schneit. Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit, wenn Heckenrosen und Holunder blühn.

Daß Amseln flöten und daß Immen summen, daß Mücken stechen und daß Brummer brummen. Daß rote Luftballons ins Blaue steigen, daß Spatzen schwatzen und daß Fische schweigen.

Ich freu mich, daß der Mond am Himmel steht und daß die Sonne täglich neu aufgeht. Daß Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter, gefällt mir wohl, da steht ein Sinn dahinter. Wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehn. Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehen! Ich freu mich. Das ist des Lebens Sinn. Ich freue mich vor allem, dass ich bin.

In mir ist alles aufgeräumt und heiter. Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt. An solchem Tag erklettert man die Leiter. Die von der Erde in den Himmel führt. Da kann der Mensch, wie ihm vorgeschrieben – weil er sich selber liebt – den Nächsten lieben. Ich freue mich, daß ich mich an das Schöne und an das Wunder niemals ganz gewöhne. Daß alles so erstaunlich bleibt und neu! Ich freu mich, daß ich ….Daß ich mich freu.

Vorgetragen auf der Beisetzung

Aus: Mascha Kaleko: In meinen Träumen läutet es Sturm

©1977 dtv Verlagsgesellschaft München

Das war seine Freude – unterwegs sein –  , die Natur betrachten – sich über kleine Dinge freuen.

Hermann

* 24.12.1946  +24.05.2022